Ein Auszug erstellt von Franz Botens

Zusammenfassung

MonsantoIm Rahmen eines Rechtsstreits über die Toxizität von Glyphosat wurden 141 Dokumente auf den Websites von U.S. Right to Know veröffentlicht. Sie Enthalten unter Anderem interne Monsanto-E-Mails, Manuskriptentwürfe, Peer- Review-Berichte und Zeugenaussagen. Auf Grundlage dieser Dokumente hat LEEMON B. McHENRY von der California State University (Northbridge) 2018 eine Arbeit mit dem Titel: "The Monsanto Papers: Poisoning the Scientic Well" im International Journal Risk & Safety in Medicine veröffentlicht. Die Arbeit wurde von Dr. Anton Safer ins Deutsche übersetzt. Diese Übersetzung wurde von McHENRY autorisiert. Sie kann hier eingesehen werden. Bei Researchgate.net kann man ggf. den Verfasser anschreiben und um Zusendung des Originaltextes bitten.

In dieser Fallstudie untersucht McHENRY die Bemühungen von Monsanto, die Berichterstattung über wissenschaftliche Ergebnisse in Bezug auf die Sicherheit des Herbizids Roundup und seines Wirkstoffs Glyphosat zu beeinflussen.

ERGEBNISSE: Die Dokumente enthüllen das von Monsanto gesponserte Ghostwriting von Artikeln, die in toxikologischen Fachzeitschriften und Laienmedien veröffentlicht wurden, die Einmischung in den Peer- Review-Prozess, die Beeinflussung von Artikel-Rücknahmen hinter den Kulissen und die Einrichtung einer sogenannten akademischen Website als Fassade für die Verteidigung von Monsanto-Produkten.

SCHLUSSFOLGERUNG: Der Einsatz von externen Akademikern bei der Unternehmensverteidigung von Glyphosat zeigt, dass diese Praxis über die Korruption in der Medizin hinausgeht und fortbesteht. Akademische Berater oder "wichtige Meinungsführer" werden Mitglieder von Beiräten, Rednerbüros, "Autoren" von Ghostwriting-Artikeln und Agenten der Off-Label-Promotion.

1. IARC-Kontroverse über Glyphosat

Die „Internationale Agentur für Krebsforschung“ (IARC) veröffentlichte Im März 2015 ihre Ergebnisse, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend beim Menschen ist.

Als das geplante IARC-Treffen Ende 2014 angekündigt wurde, schrieb Monsanto-Mitarbeiterin Donna Farmer an den ehemaligen Monsanto-Mitarbeiter John Acquavella in einer E-Mail vom 9/18/2014:

"Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass das, worüber wir uns schon lange Sorgen gemacht haben, eingetreten ist. (sic) Glyphosat ist für eine IARC-Überprüfung im März 2015 vorgesehen."

2. Zweifel produzieren: Ghostwriting der Berichte

Ghostwriting ist die Praxis, bei der Unternehmen heimlich Zeitschriftenartikel im Namen prominenter akademischer Forscher verfassen, um eine Literaturbasis zur Unterstützung von Produkten aufzubauen und Kritik zu neutralisieren.

In einer E-Mail vom 19.2.2015, einen Monat vor der Veröffentlichung des IARC-Berichts zu Glyphosat, schreibt William Heydens bei Monsanto:

Wenn wir voll durchstarten und Experten aus allen wichtigen Bereichen einbeziehen würden, könnten wir auf 250.000 $ oder vielleicht sogar mehr kommen. ... und wir schreiben die Abschnitte über Exposition und Tox & Genotox als Ghostwriter.“

Monsanto beauftragte die Beraterfirma „Intertek Scientific & Regulatory Consultancy“ mit der Organisation eines angeblich unabhängigen Expertengremiums, das eine Bewertung der IARC-Daten vornehmen sollte. Die freigegebenen Dokumente zeigen, dass das Expertengremium alles andere als eine unabhängige Auswahl neutraler Wissenschaftler war, die eine Meinung zur Karzinogenität von Glyphosat abgaben. Abgesehen von der Täuschung, die mit jedem einzelnen Ghostwriter Artikel verbunden ist, setzen diese Artikel, sobald sie veröffentlicht sind, falsche Darstellungen bis weit in die Zukunft fort, indem sie andere Ghostwriter Artikel zitieren.

3. Monsantos Einmischung in das Peer-Review-Verfahren und die Rücknahme der Veröffentlichung von Séralini et al.

Das Peer-Review-Verfahren dient der Qualitätssicherung einer wissenschaftlichen Arbeit durch unabhängige Gutachter. Es ist die wichtigste Säule für die Verlässlichkeit von Wissenschaft.

Die Unterwanderung dieses Verfahrens durch Monsanto erschüttert das Vertrauen in die Wissenschaft nachhaltig und vergiftet den Wissenschaftsprozess, da unerkannte Falschinforma-tionen zitiert werden und in Zukunft darauf aufgebaut wird.

Auch beeinflusst Monsanto die Redaktion eines wissenschaftlichen Journals um Leserbriefe gegen eine Glyphosat-kritische Publikation abzudrucken. Die Autoren dieser Leserbriefe hat Monsanto selbst mobilisiert bzw beauftragt.

Zusätzlich zu den Akademikern gehören zu Monsantos externen Beratern auch Zeitschriften-Herausgeber, die eine enorme Macht haben, wissenschaftliche Veröffentlichungen zu kontrollieren. Dies wirft noch mehr Probleme für Interessenkonflikte mit der Industrie und die Integrität des Peer-Review-Prozesses auf.

4. Monsantos verborgene Rolle in Rezension der akademischen Welt

Die Website "Academics Review“ stellt sich als unabhängige Non-Profit-Organisation dar. Was die Website nicht offenlegt, ist Monsantos Rolle bei der Schaffung von Academics Review als Drittplattform für Angriffe auf Kritiker unter dem Deckmantel "unabhängiger" Professoren. 2014 erhielt Academics Review $300.000 und im Jahr 2015 $350.000 vom „Council for Biotechnology Information“, in dem Monsanto eine Führungsposition einnimmt.

Academics Review ist eine eingetragene gemeinnützige Organisation, die aber offensichtlich geschaffen wurde, um die Gewinne von Konzernen wie Monsanto zu schützen.

Schlussfolgerungen

Ob Glyphosat oder Glyphosat-basierte Formulierungen wie Roundup sicher sind, ist eine Frage der objektiven wissenschaftlichen Bewertung. Monsanto hat jedoch den Brunnen vergiftet, indem es die wissenschaftlichen Journale mit Ghostwriting-Artikeln überschwemmt und sich auf mehreren Ebenen in den wissenschaftlichen Prozess eingemischt hat. Dies hat die Aufgabe, die Wahrheit herauszufinden, enorm erschwert, und die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft untergraben. Wenn das Unternehmen Vertrauen in die Sicherheit seiner Produkte hätte, gäbe es keinen Grund für ein solches Verhalten. Aber es ist offensichtlich, dass es Probleme gibt, die Monsanto verheimlichen muss.

Wenn Konzerne den wissenschaftlichen Prozess kontrollieren, wird das Gemeinwohl der Menschheit durch den Wettbewerb von Sonderinteressen ersetzt.

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