Sehr geehrte Tagesschauredaktion,

am 07.02.24 wurde in den Tagesthemen von der Entscheidung des Europäischen Parlaments (EP) zur Neuen Gentechnik (NGT) berichtet. Es wurde der Eindruck erweckt, dass es ein Pro und Contra NGT gibt. Dem ist aber nicht so. Niemand ist gegen NGT. Es geht um die grundsätzliche Frage der Risikovorsorge gemäß dem gesetzlich verankerten Vorsorgeprinzip bei der Freisetzung von gentechnisch veränderten Lebewesen in die Umwelt, um die Kennzeichnung von Nahrungsmittel, die NGT enthalten und um die Sicherstellung, dass die Äcker von Bauern, die keine NGT wollen, auch nicht damit kontaminiert werden.

Ich meine, das ist ein überschaubarer und gut darstellbarer Sachverhalt. Statt diesen Sachverhalt darzustellen, haben Sie einen offenen Brief von Nobelpreisträgern erwähnt und dessen Unterzeichner pauschal als „die Wissenschaftler“ verherrlicht und im Gegensatz dazu Menschen auf der Straße als ahnungslos und ängstlich dargestellt. Hätten Sie den Sachverhalt gut vermittelt, wären die Zuschauer besser informiert und wohl auch weniger ängstlich. Die Nobelpreisträger haben sich im offenen Brief allgemein für die Nutzung des Potentials der NGT ausgesprochen. Zur Frage der Risikovorsorge und der Kennzeichnung haben sie sich nicht geäußert.

Ich habe mir die Qualifikationen der Nobelpreisträger angesehen. Es sind Physiker, Chemiker, Mediziner, Physiologen und Ökonomen. Z. B.

* David Baltimore 85, Virologe, hervorragender Gentechniker.
* Konstantin Sergejewitsch Nowosjolow, 49, Physiker, Experte für das Kohlenstoff-Allotrop Graphen
* Sheldon Glashow 91, Wechselwirkung zwischen Elementarteilchen
* Peter Doherty , 83, Mediziner
* Harold E. Varmus 84, Virologe

Für die Risikobewertung bei der Freisetzung von NGT-Lebewesen in die Natur sollte aber die Kompetenz in Ökologie und Agrarwissenschaften vorliegen. Wenn ein neues Kraftfahrzeugmodell zugelassen werden soll, wird es auch auf Sicherheit überprüft. Das wird nicht von einem Herzchirurgen gemacht. Es geht da nicht um die Entwicklung eines NGT-Lebewesens, sondern um die Prüfung der Wechselwirkungen dieses NGT-Lebewesens mit seiner Umwelt. Das ist wichtig, weil sich das NGT-Lebewesen - anders als ein neues KFZ-Modell - vermehrt. Eine übersehene Gefährdung würde sich dann vermehren und verbreiten und könnte nicht mehr zurückgeholt werden. Der Schaden wäre auch ökonomisch UNBEGRENZT. Deshalb ist auch die Haftungsfrage zu klären. Es gibt sehr wohl WissenschaftlerInnen und wissenschaftliche Institutionen, die über die geeigneten Kompetenzen verfügen, siehe auch:

* https://www.testbiotech.org/sites/default/files/Expert_statement_risks_of_NGT_plants.pdf
* https://www.bfn.de/aktuelles/rechtsgutachten-verordnungsentwurf-der-eu-kommission-zu-neuen-gentechniken-verstoesst

Als „hochgradig besorgniserregend“ bezeichnete Angelika Hilbeck vom Europäisches Netzwerk der Wissenschaftler für soziale und ökologische Verantwortung (ENSSER) den Verordnungsentwurf.

All diese Wissenschaftler kommen leider in den Tagesthemen nicht zu Wort. Ihr Beitrag verkommt zu einem Werbespot für die Gentechnikindustrie. Ein gravierender journalistischer Mangel. Ihr Beitrag ist nicht nur einseitig, sondern auch falsch. Ich bitte Sie, in den nächsten Tagesthemen diesen Mangel zu korrigieren.

Zu Ihrem Kollegen Betz vom BR: Es braucht überhaupt kein neues Gen, um Schäden zu generieren. Zum Beispiel beim Down-Syndrom sind die Gene unverändert, nur halt zuviel. Statt zwei Chromosomen Nr. 21 sind es drei. Das Erbgut ist sehr komplex.

Mit freundlichen Grüßen
Franz Botens
ANUK e.V.

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