Sehr geehrter Herr Botens,

mein Name ist Johannes Hofmann und ich bin Autor des von Ihnen kritisierten Beitrags. Zunächst möchte ich mich für Ihre Zuschrift bedanken. Für Kritik bin ich immer offen. Ich möchte folgend auf Ihre Kritik eingehen und widersprechen.

"Es wurde der Eindruck erweckt, dass es ein Pro und Contra NGT gibt. Dem ist aber nicht so. Niemand ist gegen NGT."

Das ist meiner Ansicht nach absolut falsch. Ich könnte Ihnen auf Anhieb unzählige Menschen nennen, die gegen NGT sind. Ich könnte Ihnen unzählige Verbände auflisten, die gegen NGT sind. Ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren mit unzähligen Verbrauchern gesprochen, die gegen NGT sind. Diese Aussage von Ihnen kann ich also in keiner Weise nachvollziehen.

"... und im Gegensatz dazu Menschen auf der Straße als ahnungslos und ängstlich dargestellt.."

Das ist meiner Auffassung nach ebenfalls absolut falsch. Es kam ein Landwirt zu Wort mit Sorgen und Ängsten und es kam ein Naturschützer zu Wort mit Sorgen und Ängsten. In keinen der beiden Fällen wurde eine Einordnung vorgenommen oder, noch schlimmer, wie Sie behaupten, die Protagonisten als ahnungslos dargestellt. Das ist Ihre persönliche Interpretation. Der Beitrag ist streng ausgewogen strukturiert. Zwei O-Töne der Gegner, zwei O-Töne von Befürwortern. Als ahnungslos wird niemand dargestellt. Im Gegenteil: Es werden alle O-Ton-Geber sehr ernst genommen und nicht bewertet.

"Statt diesen Sachverhalt darzustellen haben Sie einen offenen Brief von Nobelpreisträgern erwähnt und dessen Unterzeichner pauschal als „die Wissenschaftler“ verherrlicht ..."

Jemanden als Wissenschaftler zu bezeichnen ist keine Verherrlichung. Im Übrigen gibt es meinen Recherchen nach so etwas wie einen Konsens in dieser Debatte. Egal ob die Deutsche Forschungsgemeinde oder die Wissenschaftler der Deutschen Akademie der Leopoldina oder die Biotechnologen vom Leibniz-Institut: Unter Wissenschaftlern, die täglich mit den neuen Technologien arbeiten, gibt es einen Konsens darüber, dass die neuen genomischen Techniken nicht mehr Risiko mit sich bringen als bereits etablierte Züchtungsverfahren. Natürlich gibt es Wissenschaftler, die Bedenken haben, die möchte ich in keiner Weise unterschlagen. Dennoch wäre es meiner Auffassung nach eine sogenannte "false Balance", wenn diese quantitativ unterlegenen Wissenschaftler die gleiche Fläche bekommen.

"Hätten Sie den Sachverhalt gut vermittelt, wären die Zuschauer besser informiert und wohl auch weniger ängstlich."

Der Beitrag hat eine Länge von 2:40 Minuten. Oberstes Kriterium war, beide Seiten darzustellen, also Gegner und Befürworter. Dazu sollte noch klar werden, wie die Technologie überhaupt funktioniert. Das ist für so eine komplexe Thematik extrem wenig Zeit. Nichtsdestotrotz würde ich behaupten, dass keine Angst geschürt wurde, sondern die Technologie sachlich erklärt wurde.

"Zur Frage der Risikovorsorge und der Kennzeichnung haben sie sich nicht geäußert."

Zur Kennzeichnung habe ich mich geäußert, denn es wurde gesagt, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel (aufgrund eines Antrags von den Grünen und Sozialdemokraten) nach jetzigem Stand gekennzeichnet werden müssten. Zur Risikovorsorge: Wie gesagt, es gäbe noch unzählige Aspekte, die interessant und relevant in dieser Debatte sind. Aber bei einem Beitrag dieser Länge habe ich so gut wie möglich versucht, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen und die Technologie verständlich zu erklären.

"Es gibt sehr wohl WissenschaftlerInnen und wissenschaftliche Institutionen, die über die geeigneten Kompetenzen verfügen. Link!!"

Es ist sehr, sehr, sehr interessant, dass Sie mir vorwerfen, manche fachfremde Wissenschaftler erwähnt zu haben, und mir wenige Sätze später (Link) Wissenschaftler wie Christoph Then empfehlen, einen Tierarzt mit großer Affinität für Homöopathie, der darüber hinaus noch nie mit NGT gearbeitet hat.

"Ihr Beitrag verkommt zu einem Werbespot für die Gentechnikindustrie. Ein gravierender journalistischer Mangel."

Die zwei O-Ton-Geber, die sich in dem Beitrag für die Technologie aussprechen, sind angesehene Professoren der Universitäten Bayreuth und Passau. Der Vorwurf, hier würde Werbung für die Gentechnikindustrie gemacht, ist meiner Auffassung nach eine interpretatorische Fehlleistung.

"Ihr Beitrag ist nicht nur einseitig sondern auch falsch."

Der Beitrag ist meiner Meinung nach weder einseitig (siehe oben) noch falsch. Kein Wort in dem Beitrag entspricht meiner Auffassung nicht den Tatsachen. Der Beitrag ist haltungsfrei und beschreibt die gegenteiligen Positionen.

"Ich bitte Sie, in den nächsten Tagesthemen diesen Mangel zu korrigieren."

Wie erläutert kann ich Ihre Kritik nicht nachvollziehen. Deshalb wird es von meiner Seite aus keine Korrektur in irgendeiner Form geben. Natürlich können Sie gerne eine weitere Beschwerde an den Rundfunkrat richten.

Wie gesagt, herzlichen Dank für Ihr Feedback. Ich lese alles sehr genau und bin froh, wenn ich Feedback auf meine Arbeit bekomme. Ihre Kritik nehme ich deshalb dankend zur Kenntnis, betrachte sie aber als nicht gerechtfertigt.

Herzliche Grüße
Johannes Hofmann
Bayerischer Rundfunk Redaktion
Landwirtschaft und Umwelt

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